Kakao in Gefahr

Die Rohstoffpreise sind in den letzten eineinhalb Jahren in den Keller gesunken – außer bei einem Rohstoff – dem Kakao. Der Kakao wird knapp und die Preise immer höher. Der Grund ist simpel, die Welt liebt Schokolade und zwar immer mehr. Vor allem die Asiaten haben in den letzten Jahren ihre Lust daran entdeckt. Und gleichzeitig zur stark steigenden Nachfrage bricht in den Hauptanbaugebieten Westafrikas die Produktion ein.

 
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Der Kakao ist eine Tropenpflanze er hat es gerne warm und feucht. Seine Wurzeln liegen eigentlich im tropischen Regenwald Amerikas, er zählte ursprünglich zu den großen Reichtümern der Azteken. Im Laufe der Jahrhunderte verlagerte sich die Produktion aber nach Westafrika und Indonesien.

Wir sind in Ghana, tief im Regenwald, im Schatten hoher Tropenbäume wächst der Kakaobaum. Die Früchte werden hier von den Bauern per Hand geerntet.

 
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Ghana ist mit 21 % nach der Elfenbeinküste der zweitgrößte Kakaoproduzenten weltweit.

Kakao ist hier der wichtigste Wirtschaftszweig, rund 700.000 Kleinbauern leben davon. Aber es werden immer weniger. Denn die Bauern werden immer älter und mit ihnen ihre Plantagen. Die junge Generation hat wenig Interesse an der Landwirtschaft. Die Bäume tragen nur mehr wenig Früchte und es wäre längst an der Zeit neue zu pflanzen um den Bestand zu sichern.

 
 
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Die Landwirtschaft hat einen schlechten Ruf und ist noch schlechter bezahlt. Im Schnitt verdient ein Kakaobauer nur 50 Cent am Tag, das ist selbst in Ghana weit unter der Armutsgrenze. Geld für Investitionen oder Absicherungen bleibt keines übrig.

 
 
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Zwischen 50 und 60 Jahre ist der durchschnittliche Kakaobauer in Ghana alt, und das bei einer Lebenserwartung von nur 61 Jahren. Eine Pension gibt es für die Farmer nicht, auch ein Grund warum viele Junge eine sichere Zukunft eher mit einem Job in der Stadt als am Land sehen, obwohl diese rar sind und viele dann nur als Straßenverkäufer arbeiten können.

Zurück im Dorf: Hier werden die Probleme diskutiert. 

Jede Familie hier besitzt ein paar Hektar Land auf dem sie seit Generationen Kakao anbauen. Sackitey Prince ist 25 Jahre alt, als sein Vater vor ein paar Jahren starb übernahm er die Kakaoplantage.

 
 
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Und um schnell an Geld zu kommen greifen viele Bauern zu drastischen Mitteln. Neben Kakao ist in Ghana Gold die zweite große Einnahmequelle. Viele Farmer vermieten ihre Kakaoplantagen an Goldgräber. Beim illegalen Abbau wird aber meist nicht darauf geachtet was mit dem Land passiert.

 

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Beim Umgraben geht die nährstoffreiche Erde verloren und um das Gold aus dem Boden zu lösen werden giftige Chemikalien wie Quecksilber verwendet. Ganze Landstriche werden für Jahrzehnte zerstört – Kakao kann hier nie wieder angebaut werden, doch das wissen viele Bauern vorher nicht.

 

Und neben den finanziellen Problemen haben sie auch mit dem Klimawandel zu kämpfen. Unregelmäßige Regenzeiten, lange Dürreperioden – die Temperaturen steigen an, Regenwaldgebiete werden immer kleiner und Savannen breiten sich aus. Kakao wächst aber nicht in der Savanne.

 
 
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Den Export von einer Million Tonnen Kakaobohnen hatte man in Ghana für dieses Jahr eigentlich geplant, geworden sind es aber nur 700.000 Tonnen, also 30 % weniger. Und auch für 2016 rechnet man mit einem Rückgang um insgesamt 50 %. Das und eine stark steigende Nachfrage machen den Kakao für uns Konsumenten so teuer wie seit vielen Jahren nicht mehr.

 
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Aber obwohl der Weltmarktpreis hoch ist, bekommen die Bauern davon nichts zu spüren. In Ghana ist der Kakaopreis staatlich geregelt, wird für ein Jahr im Voraus festgesetzt und ist für alle Bauern gleich. Das gibt ihnen zwar eine gewisse Sicherheit, nimmt ihnen aber auch die Möglichkeit Gewinne zu machen. Für Bio oder Fair Trade gibt es Prämien.

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Um Fair Trade zertifiziert zu werden schließen sich viele Bauern zusammen. Pro Tonne Kakao bekommt die Kooperative dann 211 € Prämie. Die wird für Sozialprojekte wie zB. den Bau einer Schulen verwendet, aber auch für Zertifizierungsgebühren und die Verwaltung der Kooperative.

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Der einzelne Bauer bekommt davon 2 Cent pro Kilo Kakao, selbst wenn er viel produziert kommt er damit im Jahr nur auf einen Zuverdienst von 19,84 €. Für viele wenig reizvoll.

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Eigentlich müssten wir mindestens 4 Ghana Cidis, also einen Euro mehr pro Kilo bekommen damit das Kakaogeschäft für uns wieder rentabel wird.

Wie lange noch wird wohl die nächste Generation entscheiden.

 
 

Gemeinsam mit den Österreichischen NGOs GLOBAL 2000 und Südwind bin ich vor genau einem Jahr nach Ghana und Kamerun gereist, um vor Ort für diese Reportage zu recherchieren.

Tief im Regenwald haben wir zahlreiche Kakaobauern besucht. Sie haben uns ihre Plantagen gezeigt, wie man den Kakao richtig erntet und die Bohnen in der Sonne trocknen lässt. Und wir haben ihnen gezeigt, was wir daraus machen – Schokolade. Viele von ihnen haben das erste Mal in ihrem Leben ein Stück echte Schokolade gegessen. Dort, wo die Kakaobauern zuhause sind, ist es zu heiß, um Schokolade zu lagern. Kaufen kann man sie nur in Supermärkten in der Stadt, da kommen viele Bauern nie hin und außerdem wäre sie viel zu teuer. Seit Generationen produzieren die Kakaobauern in Ghana und Kamerun also ein Produkt, rein für den Export.